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Libelle

Leichtigkeit und in Bewegung sein, strahlt sie aus. Ich sitze in einer Waldlichtung an der Sonne. Alleine für mich. Für mich sein ist angesagt. Ich kann es geniessen. Die riesengrosse, leuchtblaue Libelle setzt sich immer und immer wieder auf meinen Oberarm. Sie schenkt mir die Zeit, so dass ich üben kann nur hinzuschauen, hinzuhören und hinzufühlen. Ich schaue in ihre grossen, schwarzen, runden Augen. Ihre Lippen bewegen sich auf und zu, indem sie ihre Mundwinkel zusammenzieht. Es scheint als lache sie mich mit ihrem bewegenden Spitzmäulchen an. Zugleich fühle ich mich Auge in Auge mit ihr verbunden. Ohne Lupe wird mir eine Mikroskop Vergrösserung von einer schnellsprechenden Libelle geschenkt. Ich bin gleichzeitig begeistert, fasziniert und berührt. Sie darf in meiner Nähe sein. Sie infiziert sich nicht mit einem möglichen Coronavirus. Ich will sie verstehen. Doch schnell merke ich, über den Verstand, der sich im Gegensatz zur Libelle, in lauter Sprache meldet, verstehe ich das zierliche und doch kräftige Tier nicht. Ihr Flügelschlagen übertönt ihre Stimme. Eine kleine Regung meinerseits und sie ist weg. Ich kann heute, Stunden später, noch immer die Augen schliessen und jede ihrer Bewegungen vor mir sehen. Wie klingen ihre stummen Worte nach? Kommen und gehen, in Bewegung sein, aus Vorsicht oder Angst sich zurückziehen, dranbleiben, wieder die Verbindung zu anderem, zu Neuem und Unbekanntem aufnehmen und grosse Freude im Kleinen erleben. So beschreibt sie mir unsere Begegnung und mein aktuelles Dasein in der Schweiz.

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