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kurze Begegnung unterwegs

Mehrere Schritte vor mir geht ein Herr in etwas gebückter Haltung. Ich hole zu ihm auf, verlangsame meinen Schritt, er schaut sich immer Mal wieder kurz um. Wir haben eine Höhe erreicht, die sich für beide unbehaglich anfühlt. Der Weg führt über eine Treppe und ist sehr schmal. Da die erlösende Weggabelung. Er macht einen Schritt zur Seite. «Ich bin nicht so schnell», und höflich weist er mich mit der Hand an ihm vorbei. «Das ist nicht so angenehm, wenn wir so nah hintereinander hergehen», sage ich, bleibe einige Sekunden stehen und beide setzen sich wieder in Bewegung. «Ich bin ein alter Mann, ich bin nicht mehr so schnell. Ich laufe jeden Tag, ich laufe zwei Mal pro Tag, bis Winterthur und über die Wälder zurück zum Fussballplatz. Nur Fernseher schauen und Lesen im Haus sein, ist nicht gut.» Wir spazieren nun nebeneinander und kurzerhand ändert er seine heutige Routenwahl und folgt meiner. «Wie alt bin ich?» Will er von mir wissen. Ich bleibe stehen und schaue ihn nochmals an. «Zweiundsiebzig», schätze ich mutig. «Scho bitzeli älter», meint er. «Achtundsiebzigeinhalb». Breites Grinsen. «Gehst du auch laufen, wenn es regnet?» Frage ich. Er lacht. «Oh nein, ich laufe nicht mit dem Schirm». «Mit dem Regenschutz, oder Hut?» ergänze ich die Schirmauswahl weiter. «Hut schon ja, ich gehe am Morgen früh, wenn es noch nicht regnet», meint er fröhlich. «Und jetzt gehe ich durch den Wald, wegen der heissen Sonne. Schau, hier ein schöner Tunnel». Er zeigt auf einen kleinen Pfad der von beiden Seiten mit hohen, dünnen Buchenstämme umrahmt ist. Die Äste berühren sich weit oben über dem schmalen Weg, die Sonne lässt die Blätter im Lichte tanzen. Idyllisch! «Ich gehe auch diese kleinen Wege, ich gehe nie gleich, ich gehe immer verschiedene Wege», waren seine Worte zum Abschied.

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