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Eglifang (Barsch)

Was für eine emotionale Zeit, diese Tage auf dem Greifensee! Die Wellen wiegen hin und her. Zwischendurch spiegelglattes Wasser ohne einen Hauch von Wind und es erstaunte mich, dass sich unser kleines Boot trotzdem bewegte. Die Natur zeigte sich von den eindrücklichsten Seiten. Nebelverhangene Morgenstimmungen, heisse Mittags- und Nachmittagszeiten mit vielen verschiedenen Enten- und Vogelarten und kühle Abendstimmungen in kitschigem Rot und goldgelber Sonne. Das Wasser zeigte sich als wohltuendes Seelenbad. Zurück zum Morgen. Wir paddelten gegen den Wind und erreichten das andere Seeufer. Dort standen schon sechs Fischerboote. Es musste also ein Hotspot sein. Obwohl Christoph’s erster Impuls war, dass wir auf der eigenen Seeseite bleiben und uns zwischen die Segelboote stellen sollten, die auf dem Wasser schaukelten und auf ihre Besitzer warteten. Nun waren wir aber in Maur angekommen. Doch es trieb uns immer wieder ab in die Seemitte. Da die zündende Idee. Wir ruderten zu einer weissen leeren Markierungsboje und ketteten das Boot an. Immer wieder ein Wurf mit den unterschiedlichsten Ködern in allen möglichen Seetiefen und Untiefen probierend, erwarteten wir den starken Biss, der die Rute zum Biegen brachte. Leider blieb er aus. Wir warfen immer wieder Blicke zu den anderen Fischern. Womit Angeln sie? Lassen sie sich Zeit oder kurbeln sie schnell an der Spule? Antworten bekamen wir nicht wirklich und ausser dem Schaukeln blieb um uns herum alles ruhig. Unsere Fangerfahrung auf dem See ist noch bescheiden und obwohl wir uns mit YouTube-Filmen schlau gemacht hatten, hatten wir keine Idee mehr, wie wir zum Fangerfolg kamen. Und noch weniger wussten wir zu diesem Zeitpunkt, warum wir über den See ruderten, wenn der erste Impuls der nahegelegene Standort bei den Segelbooten war… So trennten wir uns vom vermeintlichen Hotspot und legten eine grössere Pause an Land ein. In der Sonne liegen und vom grossen Fang träumen, das konnten wir beide ohne vorheriges Üben und Abschauen bei anderen. Frisch erholt stiegen wir also Stunden später erneut ins Boot. Diesmal paddelten wir auf direktem Weg zum Impulsort und was dort geschah, weiss ich kaum zu beschreiben. Es begann mit einzelnen jagenden Fischen, die sich in gefühlten sekundenschneller Zeit, zahlreich vermehrten und dann… rechts, links, hinten, unten und vorne am Boot, überall nur Eglis in allen möglichen Grössen. Dass sie nicht noch über uns herflogen war fast ein Wunder. Der riesige Schwarm mit diesen Hunderten von Fischen begleitete unser sanft treibendes Boot und liess sich von den verschiedenen sinkenden Ködern, die zum Teil unsanft auf dem Wasser aufprallten, nicht beirren. Gwundrig schauten sie sich unsere Präsentationen an und immer dann als wir sie hochzogen schien es, als wollten sie zubeissen. Doch dann war der Köder bereits wieder ausserhalb des Wassers und hatte die Rutenspitze erreicht.  Dieses Fischmeer, diese schlauen Tiere! Wir hatten der Gedanke, dass wir sie mit dem Feumer nur so ernten könnten. Das Herz pochte und die Finger zitterten. Wie aufregend es war. Es ist doch nicht möglich, dass wir keinen dieser vielen Fische landen können? Da Mal ein Biss und dort dann auch ein Zuckeln, aber ins Boot brachten wir keinen von diesen Kerlen. Wie dankbar wir ihnen waren, dass sie mit uns so viel Geduld hatten und nicht von unserer Seite wichen. Es schien als tanzten sie um uns herum und freuten sich mit uns über das Dasein. Sie liessen uns in die Fischwelt eintauchen. Doch die menschliche Uhr tickte und die Stunde der Bootsrückgabe näherte sich. Da entdeckte Christoph noch eine Wurmimitations-Montage, die zum Hegenen (an Ort und Stelle zupfend Fischen) vorbereitet war. Niemand angelt im Moment erfolgreich mit Wurm. Niemand, ausser wir! Darauf sprangen sie an und hakten ein! Wow, es gab tatsächlich ein kleiner Znacht, den wir mitnehmen konnten. Welche Freude und welches Glück!

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