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Der Fahrradfahrer

Er fährt auf uns zu. Wir schauen uns an. Ein Lachen begegnet mir. Eine Begegnung binnen Sekunden, die mir das Gefühl geben, als ob wir uns kennen. Ich wende den Kopf und lese noch Pizzakurier auf seinem Rücken. Die Schritte bringen uns weiter. Alles tropft. Mit nassen Fingern streiche ich die angeklebte Haarsträhne aus dem Gesicht und schiebe sie unter die Regenkapuze. Es spritzt. Der Fahrradfahrer überholt uns und fährt an uns vorbei. Ein grösserer Schwenker.  Er schaut zurück und lacht uns von neuem entgegen. Er fährt weiter. Wieder lese ich Pizzakurier, wobei ich diesmal feststelle, dass seine Kapuze einen Teil des Aufdrucks verdeckt und meine Gedanken das volle Wort zusammenbauen. Pizzakurier – sein Beruf oder hat er die Jacke geschenkt bekommen? Heute ist Sonntag. Er fährt ohne Anhänger oder Tasche. Also eine Sonntagsfahrt im Regen, ist mein Rückschluss aus meinen Beobachtungen und Ideen. Ein Kieselstein im Schuh fühlt sich ungemütlich an. Winzig klein muss er sein. Doch kantig gräbt er sich in meine weiche Fusssohle. Ich kippe den Fuss und versuche beim Gehen den kleinen Winzling in die Grube zwischen den Zehen zu befördern. Erfolglos. Alles ist viel zu nass und kalt, als dass ich mich bücken würde, um ihn und mich zu befreien. Der Mann auf dem Fahrrad mit der schwarzen Jacke und der gelben Aufschrift Pizzakurier steht weiter vorne neben einer grösseren Wasserlache an der Strasse. Er schaut aus seiner Perspektive immer wieder zurück in unsere Marschrichtung. Er lacht. Was will er uns sagen? Will er uns was sagen? höre ich meine Kopfstimme fragen. Wir sind auf gleicher Höhe. Er spricht uns an in mir unverständlichen Worten. Meine Weggefährtin erwidert: «Ja, heute regnet’s mal mehr, mal weniger». Jetzt lachen wir für einige Sekunden zu Dritt und gehen weiter. Ich höre ihn in die Pedale treten und sehe vor meinem inneren Auge in gelber Farbe: Pizzakurier.  

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