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Brot backen

Es ist wie ein Wunder, wenn ich in mich hineinhorche, ganz still und leise, tanzen meine Finger über die Tastatur und schreiben was sie in dieser Stille hören. Es sind Geschichten über das tägliche Leben. So wie heute. Ich sitze am Tisch und bin bei mir. Ich schaue in die offene Küche und Elisabeth sagt: «Achtung es wird laut.» Die Mühle rattert und mahlt die Dinkelkörner zu feinem Mehl. In eine Schüssel wird das weisse Pulver umgeschüttet. Ein kleiner Behälter, mmh, da war mal Eis drin, wird achtsam gefüllt. Turmspitze um Turmspitze von diesem weissen Mehl zeigen sich und werden mit den Fingerkuppen flachgedrückt. Der Griff in den Schafft. Suchende Blicke. «Mhm», höre ich den bejahenden Laut durch ihre Lippen fliessen. Elisabeth scheint gefunden zu haben, was sie braucht. Zumindest passt der blaue Deckel auf das blaue Gefäss, welches nun unter der Mühle steht und auch gefüllt wird, ohne dass sich Turmspitzen zeigen. Wofür wohl die verschiedenen Behälter sind? Ich frage nicht. Ich beobachte. In die grosse weisse Schüssel kommt Brotgewürz dazu, das kann ich auf dem Glas lesen, welches sie in der Hand hält, als sie das kleine Schäftchen über dem Abzugslüfter öffnet. Das kenne ich so nicht. Sie vermengt nun das Mehl mit dem Gewürz mit Wasser und schmiegt es sorgfältig mit einem Kuchenschaber in der Schüssel hin und her. Es kommt vom Eis-Gefäss noch etwas Mehl dazu. Weiter gehen ihre sanften Bewegungen. Der blaue Behälter bleibt unangerührt stehen. Der Teig wird nicht geknetet. Geschmeidig und sanft wird die feuchtwirkende Masse, die aber nicht am Schaber klebt, gewendet und gewendet. Nun darf der Teig ruhen. Er steht auf der Küchenablage, zugedeckt mit einem Tuch. «Trockenhefe ist auch drin», sagt mir Elisabeth auf meine Frage, ob sie das Brot ohne Hefe backe. Die beiden kleinen, noch immer mit Mehl gefüllten Behälter sind weg. Wo? Wie? Wann? Jetzt habe ich doch so aufmerksam zugeschaut und doch so viele Schritte verpasst…

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