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Äpfel am Wegesrand

Ich schreibe über meinen heutigen Fund in Lindewerra den ich auf dem Dorfrundgang machte. Und während dem ich schreibe und in die Sonne, über die Matte vor meinem Fenster schaue, sehe ich zwei Frauen und einen Hund. Die Frauen recken und strecken sich. Es macht plumps und die in schwarz Gekleidete bückt sich und steckt etwas Rundes in ihre Jackentasche. Sie Pflücken weiter und teilen sich das Gut. «Sind es Nüsse oder Äpfel?» Jetzt sehe ich es eindeutig, es sind Äpfel. Einer muss wohl faule Stellen gehabt haben, denn sie in Schwarz lässt ihn fallen, dabei zeigt sie mir in ihrer anderen Hand grosse runde Äpfel. Aber eigentlich wollte ich ja nicht von fremden Apfelpflückerinnen schreiben, sondern von meinem Erlebnis heute auf dem Dorfrundgang. 2.7 km war er angeschrieben. Ungefähr in der Hälfte war es, als ich den drei Äpfeln auf dem Tisch bei einem Rastplatz begegnete. «Wie schön, ein Apfelgeschenk!» Heute Morgen habe ich den letzten Apfel aus meinem Vorrat halbiert und mir eine Hälfte für morgen aufgehoben, den in Lindewerra gibt es keinen Dorfladen. Ich fragte mich: «Nehme ich einen, oder zwei oder alle drei mit?» Ich schaue sie an. Der Reinste, der mit den wenigsten Faulstellen rollt in meine Hand und fällt zu Boden. «Also der kommt mit, sonst muss jemand anderes einen Apfel mitnehmen, der in den Dreck gefallen ist», ist mein Gedanke beim Auflesen. Dann nehme ich den hellen, Gelbgrünen in die Hand. Eine grosse faule Stelle lacht mich an. «Der kommt auch mit, sonst verfault er ganz und wird nicht verwertet. Und was ist mit dem Dritten? Wenn er alleine liegen bleibt geht es ihm vielleicht wie dem Zweiten, dass er irgendwann fault…?». So landet auch er in meiner Tasche. Ich laufe ein paar Schritte: «War das jetzt Gier?» und sogleich fühle ich erneut die Freude, die ich erlebt habe, als ich die Äpfel auf dem Tisch sah. Auch diesem Gefühl folgt ein Gedanke: «Oh, dieses Glücksgefühl möcht ich niemandem vorenthalten!» Ich bleibe stehen. Ein paar Sekunden später drehte ich mich um und ging zurück. Ich ergriff in meiner Tasche einen Apfel und legte ihn zurück auf den Tisch. Oh Freude, es war nicht der mit der faulen Stelle. Leichten Schrittes wanderte ich weiter und bin tief zufrieden, dass ich das Glück zurückgelegt hatte. «Hätte ich zwei Äpfel zurücklegen sollen?» hörte ich erneut meine Ego-Stimme in mir. Mein Blick haftet am Boden und über meine und andere Äpfel nachdenkend bleibe ich nochmals stehen. Doch ich verrate euch schon jetzt, es soll eine Kurzgeschichte bleiben. Ich ging nicht nochmals zurück zum Apfel-Tisch. Ich nahm einen tiefen Atemzug, schaute auf und meine Wahrnehmung fiel auf eine ganze Apfelbaumreihe die vor mir am Wegesrand stand. Grosse, kleine winzig kleine! Überall lagen Äpfel ganz unterschiedlicher Art. Welch Freude, welch Geschenk! Ohne weitere Gedanken, dafür mit Herzens Dank an die Natur bückte ich mich, hob auf und sammelte.

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