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Autismus als Entwicklungschance sehen

Autismus wird medizinisch als neurobiologische Störung beschrieben.

Dieser Begriff steht im Raum.

Er schafft Zugang zu Diagnostik, Unterstützung, Nachteilsausgleich.

Und gleichzeitig stolpere ich darüber.

Denn was ich in meiner Arbeit erlebe, sind keine "Störungen" im abstrakten Sinn. In meiner Arbeit begegne ich Kindern mit einer anderen Reizverarbeitung, einer eigenen Wahrnehmungslogik und einem geschärften Blick für Details unserer Welt. Diese Begegnung ist geprägt von einer Haltung, die Beziehung und gemeinsame Aufmerksamkeit in den Mittelpunkt stellt. Fachlich orientiere ich mich dabei unter anderem an der Kontakt- und Interaktionsförderung nach Kastner Rollett – einer Perspektive, die Interaktion verlangsamt, Regulation unterstützt und Entwicklung im schulischen Alltag fein abstimmt. Methoden verstehe ich dabei nicht als feste Abläufe, sondern als Orientierungsrahmen. Ich passe sie an das Kind, den Kontext und die aktuelle Gruppensituation an. Mein Zugang verbindet also Beziehung, Co-Regulation und klare Strukturen. Je nach Situation verschiebt sich der Fokus zwischen diesen drei Ebenen.

 

​Autismus:

Neurologisch begründet - ja

Mit echten Herausforderungen - unbedingt

Mit Leidensdruck - oft sehr deutlich

Und dennoch: Die Ausprägungen sind so facettenreich, so individuell, so wenig auf ein reines Defizit zu reduzieren, dass das Wort Störung zu klein wird.

Vielleicht liegt die Wahrheit genau in dieser Spannung. 

Autismus ist neurobiologisch verankert. Und er zeigt sich in Entwicklungsverläufen, die wir erst verstehen lernen müssen.

Meine Aufgabe ist nicht, den Begriff zu beschönigen. Aber auch nicht, ihn unreflektiert zu übernehmen. 

Reflexion beginnt dort, wo wir Begriffe nicht einfach benutzen, sondern befragen. 

Autismus ist für mich keine Störung. Es ist eine andere Art Welt zu sein - die sich im Alltag z.B. in Reizverarbeitung, Strukturbedarf oder Kommunikationslogik zeigt.

Autismus irritiert, eckt an, zeigt Eigenwilligkeit und befremdet.

Er braucht besondere Bedingungen.

Einen vorhersehbaren definierten Rahmen.

Neue Konzepte mit Mut zur Veränderung.

Menschlichkeit.

Gemeinsame Aufgabe im Kontext der Schule

Auftrag der Schule ist, die Kinder fürs Leben zu befähigen. In der heutigen Zeit heisst das

Kritisches Denken

Kreativität

Kollaboration

Kommunikation

Das 4-K-Modell des Lernens

Was bedeutet das für Menschen mit Autismus?

Sie können Wegbereiter sein. Zeigen auf, wo die Struktur, der Denkrahmen Entwicklung benötigt.

Generationeneinfluss

Kinder wachsen heute in einer Welt mit hoher Reizdichte, Geschwindigkeit und digitalen Strukturen auf – das verändert auch, wie Autismus wahrgenommen wird.

Mit den neuen technologischen Möglichkeiten, dem Diskurs über Neurodiversität und dem vertiefteren Wissen der eigentlich noch jungen Diagnose - sie wurde erst in den 40er Jahren verbreitet und in ihrer Vielfalt beschrieben - hat sich auch in kürze die Sprache verändert und der Fokus verschoben.

Immer mehr selbst betroffene Menschen bekommen eine Stimme. Was sie uns erzählen ist so unterschiedlich, wie es Sandkörner am Meer gibt. Verbindend ist die Beziehung und der Wunsch verstanden zu werden - Lebensglück.

Autismus erinnert uns daran, dass Entwicklung nicht geradlinig verläuft.
Vielleicht beginnt pädagogisches Handeln genau dort, wo wir bereit sind, genauer hinzusehen – und Unterschiedlichkeit nicht vorschnell zu ordnen, sondern zuerst zu verstehen.

Lebensglück

ist, wenn wir uns gegenseitig verstehen

verstehen

in Spannung bleiben

gemeinsam entwickeln

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Katrin Fries

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